Ein grauer Tag
Mal ein echter Klassiker - die erste Story, die ich so richtig online veröffentlicht habe. Enjoy. Brought To You By Retro.
Der Löwe hatte einen grauen Tag. Keinen schwarzen, keinen weißen, sondern einen grauen Tag. Wie er zu der Ehre gekommen war, wusste er nicht. Er wachte einfach auf an einem Morgen, der nicht mehr so richtig früh war, als dass man ihn Morgen nennen konnte und gleichzeitig auch nicht so spät, dass man ihn Mittag nennen konnte. Er war nicht hungrig und nicht satt, nicht müde und nicht wach. Wie gesagt, ein grauer Tag.
Darüber war der Löwe etwas perplex, denn bisher hatte sein Leben es ihm immer einfach gemacht: war er nicht müde, so war er wach. War er nicht hungrig, so war er satt. Doch heute war alles anders. Das Zwitschern der Vögel hörte sich gleichgültig an, die Blumen blühten nicht so recht und die Sonne schien auch nicht richtig. Wie gesagt, ein grauer Tag.
Und so machte sich der Löwe auf den Weg. Zum ersten Mal in seinem Leben betrachtete er seine Umgebung genauer, in der Hoffnung etwas zu finden, was nicht grau und gleichgültig und eintönig war. Die Ameisen marschierten wie immer im Parademarsch durch die Wälder, Nahrung einsammelnd für ihre Königin, der Specht nagelte mal wieder den Baum und nicht seine Freundin, und Adolf saß in einer Baumkrone und versuchte den südamerikanischen Glatzkopfadler zu imitieren. Wie gesagt, ein grauer Tag.
Der Löwe wanderte weiter, durch den Wald, über Adolf nachdenkend. Adolf war eines Tages im Mai vor vielen, vielen Jahren hier her gekommen in den Wald und hatte um Asyl gebeten. Da die Tiere sich nicht sicher waren, wie sie mit dieser Spezies umgehen sollten, gingen sie zum einzigen anderem Exemplar dieser Spezies, das alle nur "Dorfältester" nannten und baten ihn um Rat. Der Dorfälteste begann, dreckig zu grinsen und sagte, dass man Adolf Asyl gewähren solle, unter der Bedingung, dass er für den Rest seines Lebens einen südamerikanischen Glatzkopfadler imitieren würde. Als der Dorfälteste kurze Zeit später starb, dauerte es drei Wochen, bis das Grinsen aus seinem Gesicht verschwand, und erst dann wagten einige der etwas mutigeren Tiere es, ihn langsam und bedächtig zu vertilgen, wie es seit jeher Brauch war. Adolf dachte nicht daran, aufzuhören, und der Dachs, der einige Zeit in Wien verbracht hatte vor dem zweiten großen Beben, meinte dass er vielleicht das geworden ist, was die Menschen "verrückt" nannten. Die anderen Tiere blickten etwas ratlos in die Runde und der Dachs schob achselzuckend die Erklärung nach, dass das so etwas wie ein höheres Bewusstsein sein müsse und man Adolf mit Nahrung und Wasser versorgen solle. Einige Tiere hielten das für Unsinn, und so verdrehte der Dachs in seiner unendlichen Weisheit die Augen und schlug stattdessen vor, dass man Adolf Opfergaben bringen sollte. Die Tiere nickten alle begeistert, nur der Löwe nicht. Warum, wusste der Löwe auch nicht, aber er verspürte einfach nicht den Bedarf zu nicken. Wie gesagt, ein grauer Tag.
Mittlerweile stand die Sonne relativ hoch am Himmel, aber der Löwe fühlte sich mit einem Mal rastlos und wollte weiterlaufen. Hunger verspürte er wie gesagt nicht, müde war er auch nicht, aber satt und wach ebenfalls nicht. Also lief er weiter und kam zu einer Schlucht mit hohen, schroffen Felsabhängen auf jeder Seite und durchquerte sie. Auf der anderen Seite kam er an einen See und durchschwamm ihn. Danach begann er zu traben und rannte durch ein Weizenfeld. Die Ähren glitzerten golden in der Sonne, Schmetterlinge schwebten umher, und der Löwe trabte weiter, immer schneller werdend. Die letzten Wolken verschwanden, der Himmel wurde knallblau, und die Sonne schien stärker denn je zu scheinen, und der Löwe rannte weiter, ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus, und er merkte, dass er wohl das geworden war, was die Menschen verrückt nannten. Sein Grinsen verstärkte sich noch und er rannte weiter durch das Feld.
Der Löwe hatte einen grauen Tag. Keinen schwarzen, keinen weißen, sondern einen grauen Tag. Wie er zu der Ehre gekommen war, wusste er nicht. Er wachte einfach auf an einem Morgen, der nicht mehr so richtig früh war, als dass man ihn Morgen nennen konnte und gleichzeitig auch nicht so spät, dass man ihn Mittag nennen konnte. Er war nicht hungrig und nicht satt, nicht müde und nicht wach. Wie gesagt, ein grauer Tag.
Darüber war der Löwe etwas perplex, denn bisher hatte sein Leben es ihm immer einfach gemacht: war er nicht müde, so war er wach. War er nicht hungrig, so war er satt. Doch heute war alles anders. Das Zwitschern der Vögel hörte sich gleichgültig an, die Blumen blühten nicht so recht und die Sonne schien auch nicht richtig. Wie gesagt, ein grauer Tag.
Und so machte sich der Löwe auf den Weg. Zum ersten Mal in seinem Leben betrachtete er seine Umgebung genauer, in der Hoffnung etwas zu finden, was nicht grau und gleichgültig und eintönig war. Die Ameisen marschierten wie immer im Parademarsch durch die Wälder, Nahrung einsammelnd für ihre Königin, der Specht nagelte mal wieder den Baum und nicht seine Freundin, und Adolf saß in einer Baumkrone und versuchte den südamerikanischen Glatzkopfadler zu imitieren. Wie gesagt, ein grauer Tag.
Der Löwe wanderte weiter, durch den Wald, über Adolf nachdenkend. Adolf war eines Tages im Mai vor vielen, vielen Jahren hier her gekommen in den Wald und hatte um Asyl gebeten. Da die Tiere sich nicht sicher waren, wie sie mit dieser Spezies umgehen sollten, gingen sie zum einzigen anderem Exemplar dieser Spezies, das alle nur "Dorfältester" nannten und baten ihn um Rat. Der Dorfälteste begann, dreckig zu grinsen und sagte, dass man Adolf Asyl gewähren solle, unter der Bedingung, dass er für den Rest seines Lebens einen südamerikanischen Glatzkopfadler imitieren würde. Als der Dorfälteste kurze Zeit später starb, dauerte es drei Wochen, bis das Grinsen aus seinem Gesicht verschwand, und erst dann wagten einige der etwas mutigeren Tiere es, ihn langsam und bedächtig zu vertilgen, wie es seit jeher Brauch war. Adolf dachte nicht daran, aufzuhören, und der Dachs, der einige Zeit in Wien verbracht hatte vor dem zweiten großen Beben, meinte dass er vielleicht das geworden ist, was die Menschen "verrückt" nannten. Die anderen Tiere blickten etwas ratlos in die Runde und der Dachs schob achselzuckend die Erklärung nach, dass das so etwas wie ein höheres Bewusstsein sein müsse und man Adolf mit Nahrung und Wasser versorgen solle. Einige Tiere hielten das für Unsinn, und so verdrehte der Dachs in seiner unendlichen Weisheit die Augen und schlug stattdessen vor, dass man Adolf Opfergaben bringen sollte. Die Tiere nickten alle begeistert, nur der Löwe nicht. Warum, wusste der Löwe auch nicht, aber er verspürte einfach nicht den Bedarf zu nicken. Wie gesagt, ein grauer Tag.
Mittlerweile stand die Sonne relativ hoch am Himmel, aber der Löwe fühlte sich mit einem Mal rastlos und wollte weiterlaufen. Hunger verspürte er wie gesagt nicht, müde war er auch nicht, aber satt und wach ebenfalls nicht. Also lief er weiter und kam zu einer Schlucht mit hohen, schroffen Felsabhängen auf jeder Seite und durchquerte sie. Auf der anderen Seite kam er an einen See und durchschwamm ihn. Danach begann er zu traben und rannte durch ein Weizenfeld. Die Ähren glitzerten golden in der Sonne, Schmetterlinge schwebten umher, und der Löwe trabte weiter, immer schneller werdend. Die letzten Wolken verschwanden, der Himmel wurde knallblau, und die Sonne schien stärker denn je zu scheinen, und der Löwe rannte weiter, ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus, und er merkte, dass er wohl das geworden war, was die Menschen verrückt nannten. Sein Grinsen verstärkte sich noch und er rannte weiter durch das Feld.
Zwille - 10. Mai, 21:40
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